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Searching the Grail

Bild von h.koppdelaney
Ghost rider searching the Grail
HKD
Gralssucher
Ich bin beide Reiter
Er zog seine Jeansjacke über sein Handgelenk, um den weißen Verband zu überdecken. Er hatte sich mir gegenüber bereits erklärt, denn er war mit diesem Zug auf dem Weg zurück zur psychiatrischen Klinik, in der er aus eigenem Entschluss Hilfe gesucht hatte. Der für ihn zuständige Psychologe behandelte ihn aufgrund von Suizidgefahr.
„Ich will wissen, warum ich mich selbst verletze“, sagte er. „Es ist, als gehorche ich einem inneren Befehl. Etwas in mir drängt mich, das zu tun.“
Und dann gab er mir Beispiele, wann, wo und wie er sich verletzte. Ich hörte aufmerksam zu bis er sich all sein seelisches Leiden von der Leber geredet hatte. Dann erzählte er mir einen Traum. In diesem habe er zwei Reiter gesehen die auf ein Licht mit zwei Lichtpunkten zuritten. Das Licht war der Gral und er habe gesprochen, „Ich bin zwei.“.
„Und das bin ich wohl auch“, sagte der Dreißigjährige. „Ich sehe das mittlerweile. Bei anderen habe ich schon immer ihre guten und schlechten Seiten gesehen. Und die haben meine guten und schlechten Seiten gesehen. Aber langsam spüre ich genau, wenn meine schlechte Seite aktiv wird und sich gegen mich selbst richtet. Verstehen Sie, was ich meine?“
Ich nickte, denn Autoaggression, die nettere Bezeichnung für Selbsthass oder Selbstzerstörung, kannte ich sehr wohl. Die klassische Bezeichnung dieser Energie ist Selbstgeißelung. Diese Karte tauchte mir in einem modern interpretierten Tarot Kartendeck immer wieder auf, denn ich verstand lange Zeit eben genau diesen Punkt nicht. Mir war noch nicht aufgegangen, dass die dunklen Kräfte auch in mir wirken und ich wusste auch nicht dass der Ursprung dieser destruktiven Energien in mir selber lag.
„Zwei Reiter, ein Mann und eine Frau repräsentieren die Polarität der Geschlechter“, antwortete ich ihm. „Auf der nächsten Ebene sehe ich die männlichen und weiblichen Energien in einem Menschen. Das Licht symbolisiert das eine, göttliche Bewusstsein und die zwei Lichter davor die Söhne des Lichtes, ein bejahendes, schöpferisches Prinzip und ein verneinendes, destruktives Prinzip.“
Er hörte sich meinen analytischen Deutungsversuch auf der symbolischen Ebene mit großem Interesse an und fragte nach.
„Das destruktive Prinzip bekämpft das schöpferische?“
„Da bin ich mir nicht so sicher“, antwortete ich. „Ich sehe die Dynamik eher wie die von Tag und Nacht. Der Tag vergeht und die Nacht übernimmt. Und wenn die Nacht weicht, füllt das Licht den Raum wieder aus. Ich wehre mich nicht mehr gegen Regen, gegen die Ebbe, gegen Reduktion und Vergänglichkeit.“
„Ich kämpfe in mir gegen das Zerstörerische an. Ich habe Angst, dass es siegt, wenn ich ihm das Feld überlasse.“
Ich entgegnete, dass ich es für angebracht halte, diese Einstellung zu vertreten. Es sei aber auch ganz natürlich, gelegentlich die entgegen gesetzte Meinung zu äußern.
„Einmal spricht der Lebenswille aus mir, ein anderes Mal die Todessehnsucht.“
„Oh“, entgegnete er. „Ich verstehe. Ich bin beide Reiter.“
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Key of Magic

Bild von h.koppdelaney
The Key to Magic
Imagination
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Der Zug fuhr und fuhr, ohne dass auch nur ein einziger Fahrgast mein Abteil betrat, nicht einmal der Schaffner unterbrach meine Arbeit am Laptop. Ich tippte einen kleinen Aufsatz über meine Freunde, die geheimnisvollen Raben, die Hüter der unübertreffbaren Kostbarkeit… Hier ist er:
Der Rabe als Schlüsselfigur
Es gab einmal eine Zeit, so hieß es, da waren Eulen und Raben die Ratgeber der Menschen. Sie hörten noch auf die Tiere, denn der Mensch wusste, dass sie Boten der Götter waren, was bis auf den heutigen Tag noch ein paar Eingeweihte Menschen wissen. Und sie wissen: Raben und Eulen verfügen über den Schlüssel zur Befreiung.
Der Schlüssel, das ist ihr heiliges Wissen um den Code, der die Tür zum Paradies öffnet. Der Code, das wiederum sind Verhaltensregeln, und hält man diese ein, so erweitert man seine Wahrnehmung.
Sensoren, die Infrarotlicht erfassen, können in der Dunkelheit sehen. Sensoren, die Ultraschall erfassen, können Töne wahrnehmen, die das menschliche Ohr nicht vernimmt.
Die Erweiterung der sensorischen Wahrnehmung hat ihr Zentrum im Innern eines jeden einzelnen Menschen. Einmal aktiviert, verstärkt sich das, was als innere Stimme wahrgenommen wird. Ahnungen werden deutlicher, Intuition wird ausgeprägt, als irrationaler Faktor respektiert und als neuer Sensor sehr geschätzt.
Der frühe Mensch schaute ein Tier an und beobachtete sein Verhalten. So wurde der Fuchs schlau, die Eule weise genannt, der Hund treu, das Pferd wurde ein Sinnbild für Stärke.
Wo Raben auftauchten, lag häufig ein verendetes Tier und daher galten die Totengräber als Unglück verheißende Vögel.
Menschen lasen aus dem Verhalten der Tiere, bis die meisten Menschen diese Sprache verlernten.
Einige wenige jedoch kultivieren die alten Talente unserer Vorfahren und sprechen nach wie vor mit den Tieren. Die Kommunikation mag telepathisch genannt werden oder geistig, aber auch die Laute, die Tiere von sich geben werden von den Tierfreunden deutlich verstanden.
Intellektuell gewordene Menschen nähern sich der Sprache der Tiere von der symbolischen Seite her an.
So ist die Eule ein Sinnbild für Weisheit und Philosophie. Der Rabe ein Sinnbild für Abschied und Trauer.
Der Winter mit seiner Kälte, seiner Kargheit und Innenschau gehört dem Raben. Der Sommer mit seiner Wärme, seiner Fülle und Aktivitäten, gehört zur Taube. Der Vogel der Venus, besonders die weiße Taube, steht im krassen Gegensatz zum pechschwarzen Unglücksvogel.
Über den Weg des Verstehens wird die Annäherung an die Welt der Tiere ermöglicht und intensiviert. Und dann beginnt die Zeit, in der die Tiere wieder als Ratgeber sprechen. Natürlich sagt die Taube nichts, doch der Verstand versteht, was ihr Erscheinen verheißt. Die Intuition trifft die Aussage. Die Taube ist nur eine phänomenale Erscheinung, doch der Geist projiziert Ansichten hinein und interpretiert diese.
Auf diese Weise spricht das höhere Selbst zum niederen Selbst, ich könnte auch sagen: so spricht die innere Gottheit zum unwissenden Ego. Das Unbewusste vermittelt dem Ego-Bewusstsein Informationen auf symbolische Weise. Dem Ego werden Bilder gezeigt und der Verstand assimiliert sie durch Analyse.
Die Assimilation führt zur Deutung und die Deutung zum Verstehen. Das Verstehen ist eine Voraussetzung für die Erweiterung der Sensorik. Diese ist, wie bereits gesagt, der Schlüssel zum Paradies, dem Paradies der magischen Welt der kindlichen Erfahrung. Hier sprechen die Tiere wieder und das reife Kind versteht ihre Sprache, es versteht die Freude und empfindet sie nicht nur.
Das ist eine voll entwickelte Wahrnehmungsfähigkeit für die Welt der Natur, und der Geist erkennt in ihr den Spiegel des eigenen Inneren.
Innen und Außen sind Trennungen, die der denkende Verstand vornimmt. Wenn der Verstand sagt: „Das ist nur ein Tier“, dann sieht er es da draußen und von sich getrennt.
Wenn der Verstand sagen kann: „Das Tier ist mein Freund“, dann spricht das Gefühl der Verbundenheit.
Wenn der Verstand sagen kann: „Das Tier ist ein Symbol für meine emotionale Verfassung“, dann vermischen sich innere Gefühlswelt mit äußeren Erscheinungen.
Wenn der Verstand sagen kann: „Das Tier und ich werden vom gleichen Schöpfungsprozess hervorgerufen“, dann erkennt das Eine seine Identität mit dem Vielen.
Die Erfahrung der Identität mit allem eröffnet Ebenen der Existenz, die zuvor verschlossen waren. Der Rabe hält den Schlüssel. Und daher ist der Rabe eine Schlüsselfigur zur Auflösung der Rätsel, die deine Existenz umgeben.
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